Psychologie

Thomas Feldmann

Psychoregulation

im Tischtennissport

Teil 3: Psychotonische Muskelentspannung (PME)

Was ist PME?

Die Psychotonische Muskelentspannung ist eine methodische Weiterentwicklung der Progressiven Tiefmuskelentspannung (vgl. Psychoregulation im Tischtennissport Teil 2, TTL 2/87). Diese Entspannungsmethode ist nicht physisch aktiv wie die Progressive Tiefmuskelentspannung, d.h. die Muskelentspannung wird nicht über aktive Muskelkontraktionen eingeleitet, sondern direkt mental (mens = der Geist) herbeigeführt. Die Relaxation (Entspannung) ist damit eine Technik, bei der unter möglichst ökonomischen Einsatz von psychischer Nervenkraft eine allgemeine neuro-muskuläre Dekontraktion (Muskelerschlaffung) beabsichtigt wird. Das Ziel ist, einen Ruhetonus zu erreichen, der den Sportler in eine optimale Ausgangslage bringt (vgl. Psychoregulation im Tischtennissport Teil 1, TTL 0/86).

Vom Gesichtspunkt der Physiologie charakterisiert der Begriff „Tonus" den Zustand der Spannung eines Muskels. Die quer- und längsgestreiften Muskeln erhalten normalerweise konstante Nervenimpulse, die sie auf einem gewissen Spannungsniveau halten. Dieser Tonus reicht noch nicht zur Bewegung aus, ist aber für die Aufrechterhaltung bestimmter Verhältnisse der einzelnen Teile des Organismus zueinander (Koordination) von wesentlicher Bedeutung. Die Regulation des Tonus ist ein komplexer Vorgang, der mit allen Teilen der Nervenverbindungen in Wechselwirkung steht. Der Muskeltonus kann daher direkt über das Gehirn beeinflußt werden.

Angestrebt wird ein mittleres Erregungsniveau des neuro-muskulären Systems, da hier die Leistungen in qualitativer und quantitativer Hinsicht am höchsten sind. Eine Unterschreitung des mittleren Erregungsniveaus führt zu qualitativen und quantitativen Einbußen bei großräumigen Aushol- und Schlagbewegungen, ein erhöhtes Erregungsniveau führt zu Verkrampfungen bei komplexen grob- und feinmototrischen Bewegungsvollzügen. So entfalten die Muskeln, die für die Beschleunigung der Hand verantwortlich sind (Kinetoren / kineo = bewegen) nicht ihre volle Kraft bei Unterschreitung des mittleren Erregungsniveaus, bei Überschreitung des mittleren Erregungsniveaus kommt es zu Einbußen des Bewegungsflusses, vor allem bei den Muskelgruppen, die im Handbereich für die Feinabstimmung zuständig sind (Modulatoren).

Aufgrund von Wechselwirkungen zwischen Tonus und Gehirn (psychosomatischen Kreisregulationen) ist dem Muskeltonus eine bedeutende Rolle für den Grad der Konzentration zuzuweisen. Eine gewisse Analogie zwischen muskulärer und geistiger Spannung drängt sich auf und dürfte dem Leser von der Alltagserfahrung her vertraut sein.

Das psychotonische Training soll folgendes bewirken:

- Spannungszustände lösen, welche die körperliche Regeneration behindern,

- den Aufregungsgrad herabsetzen und Angst überwinden,

- die neuro-muskuläre Koordination verbessern,

- die Konzentration erhöhen,

- psychische Beschwerden wie Angst und Schlaflosigkeit verringern, wie sie durch dauerndes Training und Wettkämpfe hervorgerufen werden.

Allgemein:

Die Psychotonische Muskelentspannung ermöglicht die optimale Ausnutzung der sportlichen Ausbildung durch bessere Erholung während der Pausen und bessere Mobilisierung der Kräfte während der Belastungen einschließlich der Wettkämpfe.

Grundstellung

Der Tischtennissportler legt sich auf den Rücken, die Arme locker an die Seite gelegt, die Beine nicht übereinandergeschlagen, die Zehenspitzen leicht nach außen geneigt. Die Augen sind geschlossen, die Lage der Handflächen beliebig, die Atmung erfolgt möglichst tief durch die Nase ein und aus. Die Grundstellung ist dadurch gekennzeichnet, daß der Tischtennissportler nicht durch eine unbequeme Körperlage und den daraus resultierenden Sinnesempfindungen gestört wird (evtl. Brille abnahmen, Kopf und Fersen polstern). Der Tischtennissportler sollte das Gefühl haben, in dieser Lage über einen längeren Zeitraum liegen zu können.

Durchführung der Übungen:

Der Tischtennissportler spricht für sich die folgenden Formeln der einzelnen Übungen (vgl. PME-Schema). Individuell entscheidet er, bis zu welchem Entspannungsgrad er gelangen möchte, indem er sich an der Stufung l-ll orientiert. Weicht er vom Text ab, so sollte er auf alle Fälle keine negativen Formulierungen benutzen, wie z.B. „Ich habe keine Angst" anstatt „Ich bin ganz ruhig", da jedes Wort, ob negiert oder nicht, mit wortadäquaten Assoziationen einhergeht, die sich neurophysiologisch auswirken.

PME-Schema

Stufe der Entspannung

l

II

III

IV

Übungen

 

 

 

 

 

 

 

 

Atemübung

„Meine Atmung ist tief, ruhig und gleichmäßig"

Schwereübung

„Mein rechter (linker) Arm ist schwer"

„Mein rechter (linker) Arm ist ganz schwer"

 

 

 

 

 

 

„Mein rechtes (linkes) Bein ist schwer"

„Mein rechtes (linkes) Bein ist ganz

schwer"

„Alle meine Glieder sind schwer"

„Alle meine Gliedersind ganz schwer"

Herzübung

„Mein Herzrhythmus ist (ganz) ruhig und gleichmäßig"

Wärme-übung

„Mein rechter (linker) Arm ist warm"

„Mein rechter (linker) Arm ist strömend

warm"

 

 

 

 

 

 

„Mein rechtes (linkes) Bein ist warm"

„Mein rechtes (linkes) Bein ist strömend warm"

„Alle meine Glieder sind (ganz) warm"

„Alle meine Glieder sind strömend warm

Kopfübung

„Meine Stirn ist angenehm kühl"

 

Tischtennis-Lehre/Januar 1988 21